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Drei Prozent der Schweizer Bevölkerung ärgern sich laut einer
Demoscope-Studie über die Euro 08. Das ist eine fiese Zahl, denn drei
Prozent, das sind die ewigen Miesmacherinnen und Calvinisten, die
meinen, alles müsse seine Ordnung haben.
Das sind die drei Prozent, die
immer irgendwo dagegen sind, gegen Skirennen bei fünfzehn Grad plus,
gegen Crevettenspiesschen, gegen die GegnerInnen der Südanflüge, gegen
die Zeitungen, die gegen den Verzicht auf Formel 1 beim Schweizer
Fernsehen sind. Die drei Prozent sind die, zu denen niemand gern
gehört. Ausser man wird gezwungen.
Wie auch immer: Es war zu
befürchten, dass sie sich irgendwann zu Wort meldet, die UBS,
schliesslich ist sie nationaler Sponsor der Euro 08. Jahrzehntelang hat
sie sich vom Fussball ferngehalten, diesem unterschichtigen und
anlagefeindlichen Minenfeld, bis sie merkte, dass dem Tretsport nun
auch Eintritt gewährt wird in den «Salon», dass Politikerinnen und
Soziologen, Literatinnen und Philosophen sich dazu äussern und dass bei
Länderspielen nun auch Offroader mit Zuger Kennzeichen vor dem Joggeli
parkieren. Der Fussball, hat sich die UBS gesagt, entflieht dem
Proletenmilieu. Zeit, einzusteigen. Als erstes stach sie die Credit
Suisse aus und wurde offizielle Bank der Euro 08 und nationaler
Sponsoringpartner der Uefa. Die CS, die die Nachwuchsarbeit des
Fussballverbandes während der letzten zwölf Jahre finanziert hat und
vielleicht dachte, vom Verband dafür etwas zurückzubekommen, schaute
ziemlich dumm aus der Wäsche. Und nun schenkt uns die UBS in einem Akt
seltener Selbstlosigkeit siebzehn UBS-Public-Viewing-Arenen für die
Zeit der Euro 08. Der für die Umsetzung verantwortliche Patrick Magyar
jubelte in «Sport aktuell», es werde wie in einem Stadion sein, bloss
liege das Sitz-/Stehplatz-Verhältnis in den UBS-Arenen bei 1:5 bis 1:6.
«Wie früher in den Fussballstadien also?», fragte demütig der
SF-Sportreporter. Und Magyar strahlte: «Da, wo es noch richtig
abgegangen ist mit der Stimmung, jawohl.»
Was soll man da sagen? Ist
das nicht alles irgendwie pervers? Da wartet die Grossbank, bis sich
der Fussball von all dem Pöbel und Gesocks befreit, bis er die
wirklichen Massen erreicht hat, auch die mit viel Geld und wenig
Skrupel, bis er clean ist und gezähmt, bis er strahlt und glänzt und
Milliarden umsetzt, und dann steigt sie ein, top down, überzieht das
Land mit Plastikstadien und lässt in diesem Fussball-Disneyland die
gute alte Zeit hochleben. Das ist kaputt. Das ist einfach total kaputt.
Zur gleichen Zeit lässt die Uefa verlauten, sie werde an die Euro 08
Detektive entsenden im Kampf gegen Ambush-Marketing, und der
«Tages-Anzeiger» berichtet, die Uefa wolle Gebühren erheben auf jeden
verdammten öffentlichen Fernseher. Das stimme nicht, wehrt sich die
Uefa, das gelte nur für Leinwände, und sie verklemmt sich dabei ein
«leider». Soll mir keiner erzählen, der neue Präsident Michel Platini
werde hier die Notbremse ziehen und gleichzeitig Moldawien einen
Champions-League-Startplatz garantieren. Mehr Spektakel, weniger Markt?
Wer’s glaubt. Und seit Platinis Jubel nach seinem Penaltytor im Heysel
und seiner Erklärung «wenn der Trapezkünstler stirbt, bringen sie den
Clown» möchte ich mit diesem Herrn sowieso nie über seine Definition
von Spektakel reden.
Am 7. Juni 2008 fahr ich vielleicht nach Grenchen
in die UBS-Arena, weil sich bei mir in der Nähe niemand die Uefa-Euro
08-Leinwand-Gebühren leisten kann. Ich werde vielleicht das T-Shirt der
Brauerei Einsiedeln tragen, das ich zu meinem letzten Geburtstag
geschenkt bekommen habe. Uefa-Ambush-Marketing-Detektive werden mich
erwischen und der Polizei übergeben, weil Feldschlösschen das
offizielle Arena-Bier ist. Ich werde viele Emotionen erleben, mich
wehren und schreien: «Maisgold ist besser als Gold! Dinkel ist besser
als Urtrüb!» Wegen blöden Verhaltens anlässlich einer
Sportveranstaltung werde ich in der Hooligendatenbank landen. Nun bin
ich vom Fussball ausgeschlossen. Ich bleibe jedes Wochenende zu Hause
und schaue Bahn-TV. Und wenn mich jemand fragt, wie ich mich fühle,
sage ich: «Wie drei Prozent.»
Pascal Claude
WoZ vom 01.02.2007
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