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Zeitungsartikel: Es kommt teuer zu stehen

Von Pascal Claude (www.woz.ch)

«Ich bin beunruhigt, weil ich nicht will, dass Leute über den Preis ausdem Stadion verdrängt werden. Der Fussball muss sich überlegen, woherer kommt und welche Fanbasis er in Zukunft will.» So spricht GerrySutcliffe, Anhänger des englischen Drittligisten Bradford City. SeinWehklagen über zu hohe Eintrittspreise im englischen Fussball bliebewohl ungehört, wäre Sutcliffe nicht gleichzeitig britischerSportminister.

Englands gebeutelte Klubfans freuen sich über dieprominente Unterstützung. Mit dem Fussball als «the working man’sballet», als Ballett des armen Mannes, ist es nicht mehr weit her,Ticketpreise kaum je unter fünfzig Pfund spotten jeden Bezugs zurArbeiterklasse. Stimmen von Fans, die als Einzelempörte oderorganisierte Supportervereinigungen auf die aus dem Ruder gelaufenenPreise aufmerksam machen, verhallen unter immer höher gelegtenStadiondächern; die erweiterten oder neu errichteten «Grounds» sindvoll wie noch nie, die Nachfrage stimmt, so what? KeineMarketingverantwortliche, kein Finanzchef eines englischen Profiklubshat bis heute eingesehen, weshalb armen Schluckern günstige Ticketsangeboten werden sollen, solange weniger Arme die teuren kaufen.Drinnen spielt United, draussen der Markt, alles ist gut. Nur ebenetwas zu leise.

«Wie auf einer Beerdigung» sei er sich vorgekommen,raunzte Alex Ferguson, Trainer von Manchester United, nach demHeimspiel am Neujahrstag. Einige der jungen Männer, die sich nachFergusons Anweisungen auf dem Feld abmühen, verdienen umgerechnet250000 Franken. Pro Woche. Das will beglichen sein. In der«Süddeutschen Zeitung» erklärt Ronald Reng in einfachen Worten, wiePreise leise machen: «In Wirklichkeit schauen in England noch immermehr fanatische Fussballliebhaber zu als anderswo. Aber sie sind alt.43 im Durchschnitt laut einer Umfrage der Premier League. Jugendlichekönnen sich die Tickets nicht mehr leisten. Und mit 43 singt man nichtmehr.»

Es hat eine Verschiebung stattgefunden, oder, wie esder «Tagesspiegel» schreibt: «Die Zusammensetzung des Publikums wirdzunehmend über den Preis geregelt.» Alex Fergusons Lärmforderung ist soverständlich wie jene Roy Keanes, der sich als Captain von ManchesterUnited schon vor Jahren über die Shrimpsbrötchenfresser in den Logenausliess. Zudem gleicht sie den Äusserungen jener Bayern-Fans, die ander Jahreshauptversammlung des Vereins die seichte Stimmung beklagt unddie Haupttribüne dafür verantwortlich gemacht haben. Bloss: WährendFerguson und Keane für ihre akustischen Einbussen siebenstelligentschädigt werden, fürchten die besorgten Münchner um ihre Existenz.Der «Tagesspiegel»: «In der Wertigkeit der Klubs sind die Kurvenfansans untere Ende gerückt. Der wahre, echte, gute Fan ist ökonomischgesehen zu einer vernachlässigbaren Grösse geworden. Er führt noch einpaar Scheingefechte gegen absurde Anstosszeiten und abstruseStadionnamen.» Derweil im «Guardian» ein Exponent der Manchester UnitedSupporters Association dem stillegeplagten Trainer den Sitzplatzalltagschildert: «Wenn du aufstehen willst, um Lärm zu machen, wirst du vonStewards rausgepflückt. Sie nehmen dir deine Saisonkarte weg. Was genaufür eine Stimmung stellt sich Ferguson unter diesen Umständen vor?»

«Ich glaub ich gseh nöd rächt», schrieb die Südkurvedes FCZ auf ein Transparent, nachdem ihr Verein im Sommer 2007 dieneuen Ticketpreise publik gemacht hatte. «Fuessball ghört allne», hiessdieselbe Losung in Baseldeutsch. Die Fans des FCB fanden 38 Franken zuviel für einen Eintritt in den Gästesektor des Letzigrund-Stadions. Sieblieben - wie zuvor im Derby schon die Fans der Grasshoppers - demSpiel fern. Anders als in England besetzen in der Schweiz keineFussballbegeisterten aus dem oberen Mittelstand die frei werdendenPlätze, weil die Spieler noch immer Friedli und Zanni heissen stattRonney und Nani. Das stärkt die Position der Fans: Der fehlende Lärmschlägt in Franken zu Buche, der Markt ist auf ihrer Seite. Und GerrySutcliffe auch.

 

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