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Muttenzerkurve - FC Basel

Es waren gerade mal zwei Wochen nach der Gründung des FC Basel ins Land gezogen, da spielt man bereits auf dem Areal des zukünftigen Stadion. Dies war der heutige Landhof. Jedoch spielte man anfangs noch ohne Publikum und von lautstarkem Support wird man noch jahrzehntelang nichts hören. Auf den Jahrhundertwechsel hin bestand der Verein gerade mal aus etwas über 100 Mitgliedern, jedoch war es schon der zweitgrösste der Schweiz.

Endlich! 1934 wurde zum ersten Mal ein Fanclub gegründet. Damals war es aber nicht üblich seinen Verein zum Sieg zu schreien. Im Gegenteil, der Zuschauer war damals nicht mehr als ein Statist und von ihm war allerhöchsten ein verhaltener Applaus nach guten Aktionen oder einem Tor zu hören. Ende der 50er musste man zum ersten Mal in der Clubgeschichte auf die Schützenmatte ausweichen, da der Landhof umgebaut wurde. Zur WM54 begann man mit dem Bau des Stadion St. Jakob. Nach zwei Jahren auf der Schützenmatte durfte man wieder auf den Landhof, der bis heute noch sein altes Aussehen hat. Als der FC Concordia bis 1967 nicht mehr die Erfolge der Vergangenheit erreichen konnte und dem FC Basel auf dem Landhof allmählich der Platz ausging, wechselte der Verein kurzerhand sein Zuhause und spielte fortan im Stadion St. Jakob, auch liebevoll „Joggeli“ genannt. Nun betraten Fans des FC Basel zum ersten Mal ihre „Muttenzer Kurve“.

Die Muttenzerkurve ist die Ost-Kurve des Joggeli oder des heutigen St. Jakob-Park. Dort stehen jene Fans die ihren Verein lautstark unterstützen. Anfangs der 80er Jahre waren es Fanclubs wie die „Mighty Eagles Schaffhausen“, welche die Szene prägten. Die Mitgliederzahl betrug über 200 Mann, die bekannt waren für Ausschreitungen und Zerstörungen. Ein Erkennungsmerkmal waren die üblichen Lederkutten mit Aufnähern. Zwischenzeitlich sprossen immer mehr Fanclubs aus dem Boden. So formierte sich zur Zeit des Zerfalls der „Mighty Eagles“, die „Blue-Red Army“. Weitere Fanclubs wie die „Munotszene Schaffhausen“ und die „Ghetto Boys“ machten sich ebenfalls durch Brutalität einen Namen in der ganzen Schweiz. In jener Zeit gründete man die heutige Fan-Polizei die heute allseits bekannt ist. Als sich die Fanclubs durch schwindende Mitgliederzahlen auflösten, gründete sich die „Neue Nationale Front“ und der Name „Löwenherz“ war in aller Munde. Dies bewog die „Ghetto Boys“ sich neu zu formieren. Die Szene war durch Bomberjacken einfach zu erkennen.

Die Zeit der „Hooligans Basel“ war gekommen. Zusammen mit ihrem jüngeren Ableger den „Basler Jungs“ machten sie die Schweiz unsicher und Markenkleidung ersetze Bomberjacke. Nachdem die älteren Semester sich zur Ruhe setzten gab es schnell wieder Nachwuchs durch die „Anal Terror Hooligans“. Nach Gefängnisstrafen Mitte der 90er Jahren verschwand auch diese Gruppierung. Die Basler Szene fiel aber nicht nur durch Gewalttaten auf, sondern genauso durch Stimmung und optischen Support. Die „Ultras Basel“ waren die letzten, welche im alten „Joggeli“ für Furore sorgten. Sie waren deutlich von anderen Fans durch ihre umgedrehten und orangen Bomberjacken zu unterscheiden. Nach einem offiziellen Verbot des Fanclubs, auf Grund etlicher Gewalttaten, verschwand die Stimmung schliesslich aus der Kurve.

Der Wechsel auf die Schützenmatte wurde vollzogen, da das neue St. Jakob Park Stadion gebaut werden sollte. Mit diesem Stadionwechsel gab es auch ein Wechsel innerhalb der Kurve. Jugendliche Frische war nun in der Kurve anzutreffen. Es wurden Choreografien und andere Aktionen organisiert. Die wohl auffälligsten in dieser Zeit waren die „Ravens“, „Voyagers“, „Freaks“ und „Basiliensis“. Während eines UIC-Spiels gegen den Bundesligisten HSV kehrte auch die C-Szene unter dem Namen „Bande Basel“ zurück ins Stadion.

Nachdem man wieder von der Schützenmatte ins neue „Joggeli“ umziehen durfte gab es abermals einen Wechsel innerhalb der Kurve. Aus Abgängen der „Ravens“ und der „Voyagers“ entstand das „Inferno Basel“. Sie sehen sich als Zusammenschluss supportwilliger, junger Fans. Das „Inferno Basel“ übernahm im St. Jakob-Park die Gestaltung der Muttenzerkurve. Aus ihren Reihen stammen beide Capos, welche zusammen an den Spielen versuchen die Kurve zum mitmachen zu animieren. Die Kurve fing wieder an zu leben und die Qualität der Fahnen, Doppelhalter und Lieder nahm von Spiel zu Spiel zu. Es wurden weitere Fanclubs wie „Mittenza Kaotic Squad“, „Good-Fellas“, „Fanatics“, „RBBS“ und den „Friiiks“ gegründet. Die Szene Basel entwickelte sich immer mehr und sorgte mit auffälligen Choreographien und exzellenter Stimmung in der ganzen Schweiz für Aufsehen. Es waren Ausschreitungen an Auswärtsspielen die wohl eine der kuriosesten Auswüchse der Repression hervorriefen. Der Fanpass wurde so schnell eingeführt wie er wieder abgeschafft wurde.

Die Saison 2001/2002 war beendet und der FC Basel wurde nach über 20 Jahren ohne Erfolg wieder Schweizermeister & Cupsieger. 100'000 Leute jubelten ihren Lieblingen auf dem Barfüsserplatz zu und die Stadt Basel erlebte ein riesiges Fest. Die darauf folgende Saison war der Höhepunkt der Szene Basel. Die grandiose Saison mit phänomenalen Auftritten in der Champions-League machte den FCB und deren Fans in ganz Europa bekannt.

Doch wie bei allem im Leben gab es auch am Erfolg eine Kehrseite. Nun war „der kleine Club aus Basel mit der guten Stimmung“ nicht nur in der Schweiz bekannt sondern auch international. Dies führt zu einem massiven Zuwachs der Zuschauer. Mit der Einstellung von nun an allen gefallen zu wollen, griff die Polizei mit voller Härte durch. Der Verein hielt zur Polizei weil man ja auch der FIFA gefallen wollte. So kam es zur Eskalation deren Auswüchse sich an einem Heimspiel entluden und sich ein Teil der Fans heftige Strassenkämpfe mit der Polizei lieferten, an denen auch eine nicht geringe Anzahl unbeteiligter Personen mitwirkten, da zu dieser Zeit noch ein anderer Event stattfand. Die Lager teilten sich und es klaffte mitlerweilen eine dermassen tiefe Kluft zwischen Club und Fans, das keiner mehr auf den andern zugehen wollte. Das Fanprojekt Basel wurde gestartet, dessen Sinn es sein sollte eine bessere Zusammenarbeit zwischen Fans Verein und Sicherheitskräften zu ermöglichen.

Die Entwicklung dieser Szene ist gekennzeichnet von Höhen und Tiefen. Nun wird die nähere Zukunft zeigen wie sich diese Szene weiterentwickelt. Man kann nur hoffen dass Erfolg nicht auf Kosten der Stimmung erreicht wird, sondern dass das eine das andere nicht ausschliesst .

duurige - 10.11.2004

 
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